Abstracts zum LPT 2005
Wandel der Psychologieausbildung - Chancen und Risiken
Prof. Dr. Michael Krämer, Münster
Die bildungspolitischen Beschlüsse zur Einführung neuer Studienabschlüsse in Deutschland bis zum Jahre 2010 sind mittlerweile gefasst worden. Auch das Fach Psychologie ist davon betroffen und die Hochschulinstitute sind dabei, die Vorgaben umzusetzen.
Viele Fragen sind noch ungeklärt: unter anderem zur Berufsqualifizierung durch einen Bachelor-Abschluss, zum zahlenmäßigen Verhältnis von Bachelor- zu Master-Absolventinnen und Absolventen, zur Auswahl der Studienmodule und der damit verknüpften Interdisziplinarität und Flexibilität im Studienaufbau.
Der Beitrag will über den Stand der Umsetzung der bildungspolitischen Vorgaben informieren, auf kritische Punkte bei der Einführung neuer Studienabschlüsse im Fach Psychologie hinweisen und zur Diskussion anregen.
Einige Thesen:
- Die Umstellung auf international gebräuchliche Studienabschlüsse hat weitreichende Auswirkungen auf die Psychologie-Ausbildung.
- Während die Vielfalt der Studienmöglichkeiten zunimmt, nimmt die Transparenz sowohl für Studieninteressenten als auch für Arbeitgeber ab.
- Die meisten psychologischen Universitätsinstitute gehen davon aus, dass der Master-Abschluss zukünftig der Regelabschluss sein wird, was nicht den ministeriellen Vorgaben entspricht.
- Da die Hochschulen selbst für die Auswahl der Studierenden (zum Master-Studium) zuständig sein werden, stellt sich die Frage nach einem validen Auswahlverfahren.
In welchen Berufsfeldern Psychologinnen und Psychologen mit Bachelor-Abschluss tätig werden können, ist noch offen.
Veränderungen in der Psychotherapeutischen Praxis: EBM 2000 Plus und RLV
Dipl. Psych. Ulrich Meier, Köln
Am 1. April 2005 tritt der neue EBM 2000 Plus in Kraft. Um Honorarverluste zu vermeiden, sollte von Anfang an die Praxisorganisation auf die neuen Leistungs- und Abrechnungsmöglichkeiten eingestellt werden.
Gegenüber dem bisher geltenden EBM aus 1996 wird eine völlig neue Systematik zur Bewertung ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen eingeführt. Die Honorare sind auf der Grundlage betriebswirtschaftlicher Kalkulationen berechnet. Der neue EBM sieht eine Vereinfachung und damit aber auch eine Veränderung des Leistungskatalogs vor, indem er viele Einzelleistungen zu Leistungskomplexen zusammenfasst und einzelne Facharztkapitel stärker voneinander trennt.
Im Vortrag soll der neue EBM für die Psychologischen Psychotherapeuten, für die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten verfügbar gemacht werden. Die einzelnen für Psychotherapie relevanten Kapitel werden vorgestellt und erklärt. Anhand von Fallbeispielen aus der Praxis sollen Möglichkeiten der Leistungserbringung und Abrechnung veranschaulicht werden.
Dabei gibt es einige Fallstricke zu beachten, die mit der fehlenden Budgetierung der nicht antrags- und genehmigungspflichtigen Psychotherapie zusammenhängen und insofern auch für das psychotherapeutische Leistungsspektrum von einiger brisanter Bedeutung sind.
Ein Budgetinstrument kursiert bereits seit langem unter dem Namen "Regelleistungsvolumen (RLV)", ist aber für den Bereich der KV Nordrhein noch nicht eingeführt. Die Einführung von RLV - ursprünglich zeitgleich mit dem EBM geplant - soll in Nordrhein erst zum 1.Jan.2006 umgesetzt werden, ab 2007 werden die Budgets unter der Bezeichnung "morbiditätsgestützte RLV" konstruiert werden, auch das für die PsychotherapeutInnen von hoher Bedeutung.
Dipl. Psych. - und was dann? Wege zur Approbation und Kassenzulassung
Dipl. Psych. Ulrich Meier
Die Veranstaltung will Kolleginnen und Kollegen, die sich nach dem Psychologie-Diplom für eine klinische Berufsausübung interessieren, über Ausbildungsmöglichkeiten zum Psychologischen Psychotherapeuten bzw. zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten informieren.
Die sog. „wissenschaftlich anerkannten Psychotherapie-Verfahren“, die zur Approbation führen, sollen ebenso vorgestellt werden wie die sog. „Richtlinienverfahren“, die zur Vertragspsychotherapie („Kassenzulassung“) führen. Die spezifische Rolle der Gesprächspsychotherapie soll erläutert werden.
Die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Psychologische Psychotherapie soll vorgestellt werden. Deren konkrete Umsetzung soll exemplarisch am Curriculum eines staatlich anerkannten Ausbildungsinstitutes aufgezeigt werden.
 Psychologie als Seismograph für gesellschaftliche Entwicklungen und die neuesten PISA-Ergebnisse
Dipl. Psych. Elfriede Mittag, Köln Dipl. Psych. Klaus Kuhlmann, Pulheim
Wenn die Psychologie wirklich früher als andere Professionen Entwicklungen in ihren jeweiligen Arbeitsbereichen mit bekommt, dann müsste in diesem Falle die Schulpsychologie bereits vor Jahren die Probleme gekannt haben, die die PISA-Studien feststellen.
Eine kurze Krankheits-Geschichte bis hin zu den neuesten PISA-Ergebnissen soll dies belegen und gleichzeitig danach fragen, ob die Psychologie nur diagnostiziert oder auch Lösungen anzubieten hat.
Methusalem-Projekt
Dipl. Psych. Laszlo A. Pota, Hamburg
Bereits im Jahre 2050 wird mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung über 50 Jahre alt sein. Die Psychologenschaft hat mit einer Vielfalt von Fähigkeiten noch am ehesten Antworten, Entwicklungen und Lösungen für das Problem, was die ganze Menschheit, alle Länder, alle Kulturen und Gesellschaften betrifft - unsere Alterung. Unsere Lebensuhr läuft, packen wir es an, jede Sekunde zählt.
Wechsel der Tarifverträge für Beschäftigte im Öffentlichen Dienst - eine (R)evolution?
Dipl. Psych. Laszlo A. Pota, Hamburg
Der BAT ist Bund auf, Land ab und auch bei den Kommunen gekündigt, zum Teil abgelöst durch neue Tarifvereinbarungen. Keine Unterschiede mehr zwischen Arbeitern und Angestellten; Einheitliche Entgelttabelle; Einmalzahlungen und eine Jahressonderzahlung; Erhalt der "Unkündbarkeit" und doch Erleichterungen bei Vertragsauflösungen - sind die neuen Schlagwörter neben Flexibilität, Zeitkonten und -korridoren.
Computergestütztes Feedbacksystem
Dipl. Psych. Dr. Achim Sprick, Düsseldorf
Die Begleitung komplexer Organisationsprozesse durch Evaluation und Feedback erhält im privatwirtschaftlichen wie im öffentlichen Bereich immer größere Bedeutung. So müssen heute beispielsweise Schulungs- oder Change-Prozesse von den Prozessverantwortlichen standardmäßig evaluiert werden. Zunehmend tritt auch erstmals die Möglichkeit in den Blick, über die Installation fester Feedbacksysteme Selbstorganisationsprozesse zu steuern und damit besser zu nutzen. So werden wichtige Basisvoraussetzungen geschaffen, die ohnehin stattfindende Entwicklung immer netzwerkartiger Organisationsstrukturen weiter voran zu treiben.
Ein Flaschenhals für diese Entwicklung ist das Vorhandensein geeigneter Feedbacksysteme. Klassische Mitarbeiterbefragungen, Großgruppenkonferenzen oder generell alle Papier-und-Bleistift-Befragungen sind hierfür zu aufwendig und zu teuer und decken nicht den Bedarf nach schnellen flexiblen Lösungen. Erst mit dem Internet und der Möglichkeit von Online-Befragungen entsteht das technische Potenzial, die Datenerhebung um den Faktor 10 oder sogar um den Faktor 100 zu verbilligen und zu beschleunigen. Durch die Einführung solcher Technologien kann sich eine echte Evaluationskultur oder sogar eine Partizipationskultur entwickeln. In Folge davon können Organisationen mehr Selbststeuerung und Eigenverantwortlichkeit in ihrer Peripherie aufbauen, während trotzdem die Ziele der Gesamtorganisation fokussiert bleiben.
 Psychologische Interventionsmaßnahmen bei Krebs
Dipl. Psych. Prof. Dr. Volker Tschuschke, Köln Dipl. Psych. Dr. Gabriele Angenendt, Köln
Patienten mit onkologischen Erkrankungen (wie auch andere chronisch körperlich Erkrankte) benötigen eine spezielle (verfahrensübergreifende) Form psychologischer Interventionen, die dabei hilft, über die Aktivierung bzw. Neuentwicklung von Coping-Strategien die Lebensqualität zu erhöhen, das Immunsystem zu stärken und (hoffentlich) zu einer Lebenszeitverlängerung beizutragen. Auch aus diesem Grund ist es notwendig, die Kolleginnen und Kollegen für diese Aufgabe speziell zu schulen.
Notfallpsychologie
Dipl. Psych. Wolfgang Weber, Fürstenfeldbruck
Eine Erfolgsgeschichte auch für NRW-Psychologen Die Geschichte der Notfallpsychologie in NRW, die ich seit ca. 1995 zunächst interessiert und dann aktiv begleitet habe, stellt aus meiner Sicht nicht nur eine Herausforderung für den/die praxisorientierten Kollegen/Kollegin dar. Notfallpsychologie fordert auch fachlich heraus: Die internalisierte Form wissenschafts-gestützten Handelns äußert sich z.B. in einem wohlgeordneten Umgang mit der Klientel/den PatientInnen, die uns - in der Regel - aus eigenem Antrieb aufsuchen. Das Merkmal unserer fachlichen Arbeit wird allein durch den Ausdruck ‚Notfall’ herausgefordert. Nicht nur die/der kritisch eingestellte Kollegin/Kollege überlegt, welches Methodeninventar denn überhaupt sinnvoll im ‚Notfall’ verfügbar ist. Notfallpsychologie soll auch als gesellschaftliche Herausforderung begründet werden. Die Möglichkeiten auf der Grundlage des bisher Erreichten werden vorgestellt, erläutert und zur Diskussion gestellt. Dazu gehört u.a. das (neue) Curriculum und die in manchen Bereichen erreichte Vernetzung.
Hospitalismus im Alter
Dipl. Psych. Hartwig Wennemar, Marienheide
Hospitalismus ist eher landläufig der Entwicklungspsychologie des Kindes zu zuordnen. Der Referent möchte jedoch anhand von Beispielen und einer systematischen Auflistung von Faktoren, die zum Hospitalismus führen, vor allem in höheren Lebensaltern, dieses Phänomen beleuchten und auf Abhilfen hinweisen. Das typische Auftreten des Hospitalismus in Institutionen ist aber auch in der Einsamkeit zuhause zu beobachten.
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